Demonstranten, Krawalle, Rechte, Autonome und brennende Autos: was sich in Deutschlands Großstädten am 1. Mai abspielt, ist hier in Schweden kaum denkbar.
Hier trifft sich an „Valborg“ (Valpurgisnacht) und „Kvalborg“ (das ist der Abend vor Valpurgisnacht) halb Schweden in dem Städtchen Uppsala, um ausgelassen, friedlich und fröhlich zu feiern. Ganz vorne dabei sind natürlich Studenten und Abiturienten, aber auch das sonstige „Jungvolk“ Schwedens lässt sich nicht lumpen und einige neugierige Vertreter der „älteren Generation“ wagen auch einen Blick (und ein paar vorsichtige „Tanzbewegungen“) in der Stadt.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass ich natürlich auch mit am Start war – ideale „Quartiersbedingungen“ waren ja gegeben.
Das Abendprogramm an diesen beiden Abenden teilt sich in 2 Gruppen auf: Leute mit „Nationskarte“ (oder Nationsgästekarte) und alle anderen.
„Nationen“ sind die Studentenorganisationen von Uppsala, die verschiedene Gebiete in Schweden repräsentieren und denen sich jeder Student aus Uppsala (schallalalllala, schallalalllala) anschließen muss. Welcher Nation man sich anschließt, bleibt allerdings jedem selbst überlassen. Man kann sich das etwa wie die „Häuser“ in Harry Potter vorstellen, jede Nation hat ihr eigenes Haus in der Stadt, und übernimmt neben Party- und Kneipenbewirtung im jeweiligen Haus auch soziale Aufgaben wie Studentenberatung, psychologische Beratung und Ähnliches.
Aber zurück zu (K)Valborg: An diesen Abenden hat natürlich jede der 13 Nationen ihre „Festräume“ geöffnet – die meisten davon sehr schön im „alte Villa“ Stil mit hohen Wänden, Parkettböden und schönen Bars aus Eichenholz.
Um reinzukommen, muss man – neben dem regulären Eintrittspreis (~10 EUR) – noch über eine Studentenkarte aus Uppsala oder als „Gastbesucher“ über eine „Gast-Studentenkarte“ verfügen (nochmals 10 EUR für diesen Zeitraum).
Dass sich diese Entscheidung lohnt sieht man abends sehr schnell.. so gegen 20-21 Uhr leeren sich die Straßen allmählich und in den Nationen fängt das Nachtleben an – nicht selten mit 500 Personen pro Nation.
Mein „Valborg 2008“ hat schon am Nachmittag (29.4.) angefangen, als ich mich mit Ellinor und ihrer Klasse an einem kleinen Rasenstreifen am Fluss getroffen habe, wo wir gepicknickt und uns schonmal für den Abend eingestimmt haben.

Danach ging es zusammen in die Nation „Norrlands“, wo bei passabler Musik (etwas mehr Rock hätte nicht geschadet) eigentlich eine ganz ordentliche Stimmung war. Außerdem ist ein „Jägermeister-Promotion-Team“ dort gewesen, die alle möglichen Jägermeister-Sachen (Mütze, Halstuch, Schlüsselbänder, Blumenketten,…) verteilt haben
Allerdings sind wir „schon“ um halb eins nach Hause gegangen, weil wir uns am nächsten Morgen zum traditionellen Frühstück treffen wollten und danach das Floßrennen auf dem Fluss anschauen.
Das Frühstück ist zwar „ausgefallen“, aber zum Floßrennen um 10 Uhr haben wir es dann trotzdem geschafft. Das Rennen war zwar eher ein Kriechen, da es auf dem Fluss quasi keine Strömung gibt, dafür waren die Flöße aus großen Styroporblöcken herausgeschnitten und lustig gebaut und bemalt.
Das ganze hat sich allerdings sehr lange hingezogen, und so sind wir um 11:30 Uhr (nach 45 von 100 Flößen) dann weitergezogen in den „ekonomiska park“, eine riesige Rasenfläche, auf der neben vielen Tausenden Studenten auch eine große Bühne und einige Fressbuden aufgebaut waren.

Alkoholverkäufe hat man allerdings vergeblich gesucht: dazu gibt es in Schweden sehr strenge Auflagen und man braucht eine Lizenz, die an eine Gaststätte oder etwas ähnliches gebunden ist.
Nach ein paar Stunden herrlicher Sonne und Entspannung ging’s dann zu Elli’s Tante zum Mittagessen, und danach nach einer kurzen Pause zur „Pre-Party“ in ihrem Wohnheim-Korridor und schließlich wieder nach „Norrlands“ - diesmal mit den Korridor-Mitbewohnern!

Der nächste Morgen (ca. 13:30 Uhr) und überhaupt der nächste Tag waren sehr ruhig, nur Abends gab es noch eine Geburtstags- (Matilda 21) und Verabschiedungs- (Antti zurück nach Finnland) Party auf dem Korridor. Also ein „runder“ Abschluss, bevor ich Freitag morgens um 9 Uhr todmüde nach Stockholm zurückgefahren bin
Bilder gibt’s wie immer ein paar in der Gallerie.
P.S. Bilder vom Picknicken habe ich leider noch keine… hoffentlich bekomme ich die noch.
P.P.S. Der berühmte schwedische „Maibaum“ ist leider ein „Mittsommerbaum“ und wird erst im Juni aufgestellt… 10 Tage nachdem ich abgereist bin 